Tradition trifft Zukunft – Ein Rückblick auf über 100 Jahre
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1907, 20. Juli Gründung des Fußball-Club 1907 Offenburg im „Braustübl“ der Brauerei Wilhelm Hund in der Zeller Straße 13 1910, 10 März Gründung des Fußball-Verein 1910 Offenburg im Gasthaus „Salmen“ in der Hauptstraße 1913, 08. Februar Zusammenschluß zum Offenburger Fußballverein im Gasthaus „Alte Pfalz” in der Hauptstraße 1913, 26. Oktober Platzeinweihung (Platzweihe) auf der „Stegermatt” gegen das Badische Infanterie-Regiment 170 1916, Herbst Meister der A-Klasse im nördlichen Schwarzwaldgau, Aufstieg in die Kreisliga Südwest 1920, 21. August Erste Eintragung in das Vereinsregister bei der Stadt Offenburg 1922, 01. Oktober Einweihung einer bedachten Zuschauertribüne (erbaut durch die Firma Ferdinand Ritter) 1923 Gedenkstein-Einweihung zur Erinnerung an die gefallenen Sportkameraden des Offenburger Fußballverein im Ersten Weltkrieg durch Friedolin Stadler (1. Vorsitzender) auf der „Stegermatt” 1923/24 Besetzung der Stadt Offenburg durch die Franzosen (04. Februar 1923 bis 18. August 1924) 1925 Kreisliga-Meister Südbaden 1927 Kreisliga-Meister Südbaden, Aufstieg in die Bezirksliga Baden, 20-jähriges Vereinsjubiläum 1931 Kreisliga-Meister Südbaden 1932 Kreisliga-Meister Südbaden, Aufstieg in die Bezirksliga Baden 1933, 08. September Einbindung des SC 1929 Offenburg 1934 Bezirksliga-Meister (Bezirksliga Baden) 1935 Bezirksliga-Meister 1938 Bezirksliga-Meister, Aufstieg in die Gauliga Baden 1939/40 Teilnahme am Tschammer-Pokal gegen FV 08 Kuppenheim (2:6) 1944/45 Der Spielbetrieb kommt völlig zum Erliegen * Update: 08. April 25 – Copyright Sven Steppat
1945/46 Wiederaufnahme des Spielbetriebes auf der Stegermatt 1946, 27. Januar Beginn der Punktspiele in der Badischen Oberklasse West 1946, 09. März Wiedergründung des Offenburger Fußballverein 1946, 01. Juni Zwangsauflösung des Offenburger Fußballverein, Aufgegangen im Einheitssportverein Offenburger Sportvereinigung 1946, 13. Oktober Beginn einer Pokalrunde in Südbaden zur Qualifikation zur Zonenliga Süd 1946/47 (Einführung und) Aufstieg in die Zonenliga Süd 1948 Qualifikation zur Teilnahme an den Endrundenspielen zur Deutschen Fußball-Meisterschaft gegen TuS Neuendorf (0:2, 1:5) 1948, 11. Juli Pokalfinalist gegen SG Eintracht Singen (2:6) in Freiburg 1949, 20. November Um 21:00 Uhr brannte die Holztribüne bis auf die Grundmauern nieder (26.11.1949) 1950, 15. Mai Wiedergründung des Offenburger Fußballverein 50, 24. Oktober Abspaltung des SC 1929 Offenburg 1950/51 Auflösung der Zonenliga Süd, Gründung der 1. Amateurliga Südbaden 1952/53/54 Südbadischer Meister 1957 50-jähriges Vereinsjubiläum 1957, 16. Juni Einweihung des OFV-Stadion "Untere Bannbösch" auf dem Gewann der ehemaligen Schützenwiese 1958 Südbadischer Meister 1959 SBFV-Pokalfinalist gegen VfB Bühl (0:1) in Lahr 1960/1961 Südbadischer Meister 1961, 11. Februar Südbadischer Pokalsieger im Endspiel gegen FV Ettenheim (1:0) in Offenburg 1965 Heinz Trenkel trat nach 9-jähriger Traineramtszeit zurück 1967 Südbadischer Meister 1967, 29. Juni SBFV-Pokalfinalist gegen SV Waldkirch (1:2 n.V.) in Hausach 1974/75 Südbadischer Meister 1975, Juni Gründungsmitglied Egon Kahles wird vom Offenburger Fußballverein zum Ehrenpräsidenten ernannt 1975/76 Teilnahme am DFB-Pokalwettbewerb gegen FSV Cappel/Marburg (2:0) und Eintracht Frankfurt (1:5) 1978 Qualifikation und Aufstieg in die Amateur-Oberliga Baden-Württemberg SBFV-Pokalfinalist gegen SC Freiburg (1:2) in Lahr 1978/79 Teilnahme am DFB-Pokalwettbewerb gegen FC Augsburg (2:4) 1980/81 Teilnahme am DFB-Pokalwettbewerb gegen SC Rot-Weiß Oberhausen (0:1) 1981 Umbenennung des OFV-Stadion in Karl-Heitz-Stadion 1981, Juni SBFV-Pokalfinalist gegen FC Rastatt 04 (0:3) in Achern 1981/82 Teilnahme am DFB-Pokalwettbewerb gegen BTSV Reinickendorfer Füchse (3:0) und 1. FC Bocholt (1:2) 1982, 27. Mai Südbadischer Pokalsieger im Endspiel gegen SV Kirchzarten (3:1) in Reute 1983 Vize-Meister der Amateur-Oberliga Baden-Württemberg 1983 Teilnahme an der Deutschen Fußball-Amateurmeisterschaft 1983/84 Teilnahme am DFB-Pokalwettbewerb gegen SV Werder Bremen (1:4) 1984 Vize-Meister der Amateur-Oberliga Baden-Württemberg 1984, 16. Juni Deutscher Fußball-Amateurmeister im Endspiel gegen SC Eintracht Hamm/Heesen (4:1) 1985 SBFV-Pokalfinalist gegen SV Weil am Rhein (0:1) in Gutach-Bleibach 1987 Vize-Meister der Amateur-Oberliga Baden-Württemberg 1987 Teilnahme an der Deutschen Fußball-Amateurmeisterschaft 1987, 09. Juni Südbadischer Pokalsieger im Endspiel gegen FC Konstanz VfR 1900 (5:1) in Bötzingen 1987/88 Teilnahme am DFB-Pokalwettbewerb gegen BV Borussia 09 Dortmund (3:3 n.V., 0:5) 1988, 31. Mai SBFV-Pokalfinalist gegen FC Emmendingen (1:3) in Friesenheim 1991, 12. Mai Abstieg aus der Amateur-Oberliga Baden-Württemberg 1994 Abstieg aus der Verbandsliga Südbaden 1996 Vize-Meister der Landesliga Südbaden Staffel 1 2001 Vize-Meister der Landesliga Südbaden Staffel 1, Aufstieg in die Verbandsliga Südbaden 2002 Schwarzwald-Sprudel löst VIVIL nach über 25 Jahren Trikotwerbung ab 2003, 21. Februar Änderung der Vereinsbezeichnung in Offenburger Fußballverein 1907 e.V. (Zusatz: "1907") 2004 Vize-Meister der Verbandsliga Südbaden 2007 Vize-Meister der Verbandsliga Südbaden, 100-jähriges Vereinsjubiläum 2008 Südbadischer Meister, Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg 2009, 11. Juni SBFV-Pokalfinalist gegen FC 08 Villingen (1:3 n.V.) in Bahlingen 2010 Vize-Meister der Verbandsliga Südbaden 2011 Südbadischer Meister, Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg 2012, 01. Juni Südbadischer Pokalsieger im Endspiel gegen SV Linx (2:0) in Kehl 2012/13 Teilnahme am DFB-Pokalwettbewerb gegen FC St. Pauli (0:3) 2016 Südbadischer Meister, Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg 2020 Vize-Meister der Verbandsliga Südbaden (Saisonabbruch) 2022 Südbadischer Meister, Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg 2025 Abstieg aus der Verbandsliga Südbaden * Update: 08. April 25 – Copyright Sven Steppat
Noch bevor sich der erste städtische Fußballverein offiziell formierte, hatte der Fußballsport längst seinen Platz im gesellschaftlichen Leben der Heimatstadt Offenburg gefunden. Um die Jahrhundertwende zählte das Spiel mit dem Ball zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen unter Schülern. Auf Straßen, Wiesen und freien Flächen entstand aus einfachsten Mitteln und mit improvisierten Toren ein lebendiges Spielgeschehen – Ausdruck eines natürlichen Bewegungsdrangs und jugendlicher Spielfreude.
Das öffentliche Fußballspiel, im Volksmund oft als „Bolzen“ bezeichnet, stieß jedoch nicht überall auf Wohlwollen. Teile der Bürgerschaft betrachteten diese neue Form der Freizeitgestaltung mit Skepsis. In vielen Orten galt das wilde Spiel auf öffentlichen Flächen als störend, mitunter gar als unerwünscht. Dennoch legten diese frühen, informellen Begegnungen den Grundstein für eine Entwicklung, die sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil des städtischen Vereinslebens und der lokalen Identität entfalten sollte. Die ersten Spiele fanden auf einfachen Wiesen statt, oft unter widrigen Bedingungen: unebener Boden, fehlende Ausrüstung und wechselnde Wetterverhältnisse prägten den Alltag der frühen Fußballbegeisterten. Doch der Enthusiasmus war ungebrochen. Mit selbstgebauten Toren, handgenähten Bällen und einer bemerkenswerten Leidenschaft entwickelte sich aus dem anfänglichen „planlosen Hin- und Herschlagen“ allmählich ein strukturierter Spielbetrieb.
Trotz zahlreicher gesellschaftlicher Vorbehalte gegenüber dem noch jungen Fußballsport formierte sich bereits im Jahr 1903 eine Gruppe engagierter Fußballbegeisterter zur Gründung eines ersten Vereins in Offenburg. Dieser Zusammenschluss, getragen von Idealismus und sportlicher Leidenschaft, war zwar nur von kurzer Dauer, doch seine Bedeutung für die lokale Fußballgeschichte ist nicht zu unterschätzen. Die Initiative dokumentiert eindrucksvoll das wachsende Interesse an einer organisierten Spielkultur und den Wunsch, dem bislang ungeordneten Treiben auf Wiesen und Straßen eine feste Struktur zu geben. Auch wenn dieser frühe Verein sich bald wieder auflöste, bleibt er ein wichtiger Meilenstein – ein Symbol für den Beginn einer Entwicklung, die den Fußball in Offenburg dauerhaft verankern sollte.
Zu den frühen Teilnehmern zählten vorwiegend junge Geschäftsleute und Schüler aus Offenburg, die ihre freie Zeit regelmäßig dem Spiel mit dem runden Leder widmeten. Die besagte Spielfläche – die große Pfählerwiese – erstreckte sich von der Okenstraße entlang des nördlichen Randes der damaligen Bühlerstraße (heutige westliche Rheinstraße) und der Volkstraße (heutige Straßburger Straße). Diese weitläufige Wiese bot ausreichend Raum für das Spiel, auch wenn die Bedingungen oft provisorisch und wetterabhängig waren. Die Umwandlung des Geländes in den Volksgarten bedeutete zwar eine bauliche Veränderung, doch die sporthistorische Bedeutung blieb erhalten. Bis heute erinnert dieser Ort an die Anfänge des organisierten Fußballs in Offenburg – ein stilles Zeugnis für den Pioniergeist und die Leidenschaft jener ersten Generation von Spielern.
Die Gründung im „Braustübl“ – Der Beginn einer Ära: Die Geburtsstunde des organisierten Fußballs in Offenburg schlug am 20. Juli 1907. An diesem Tag lud der erst siebzehnjährige Egon Kahles, gemeinsam mit seinem Freund Karl (Franz) Vogt, eine Gruppe fußballbegeisterter junger Männer zu einem Treffen ins „Braustübl“ der Brauerei Wilhelm Hund in der Zeller Straße 13 ein. Was zunächst als informelle Zusammenkunft begann, sollte sich als wegweisender Moment für die lokale Sportgeschichte erweisen. Die Initiative entsprang einer gemeinsamen Leidenschaft für das Fußballspiel, das bis dahin vor allem auf einer Wiese im Nordwesten der Stadt stattfand – unter einfachen Bedingungen und ohne feste Organisation. Das Treffen im „Braustübl“ war Ausdruck des Wunsches, dem Spiel eine feste Struktur zu geben, Regeln zu etablieren und eine Gemeinschaft zu formen, die über das bloße Spiel hinausging.
Die Vereinsgründung in Rot und Weiß für Offenburg: Aus dieser Versammlung ging die Gründung eines Vereins hervor, der nicht nur sportliche Ziele verfolgte, sondern auch soziale Bindung und gemeinschaftliches Engagement förderte. Der Fußball in Offenburg hatte damit ein organisatorisches Fundament erhalten – getragen von jungen Idealisten, deren Begeisterung den Grundstein für eine über hundertjährige Vereinsgeschichte legte. Die Atmosphäre war geprägt von lebhafter Diskussion: Während einige Teilnehmer noch zögerten und Bedenken äußerten – etwa hinsichtlich der gesellschaftlichen Akzeptanz oder der organisatorischen Herausforderungen – überwog letztlich die gemeinsame Begeisterung für den Fußballsport. Mit spürbarem Enthusiasmus stimmten die Anwesenden für die Gründung des „Fußballclub 1907 Offenburg“. Die Wahl der Vereinsfarben fiel bewusst auf Rot und Weiß – die Farben der Stadt Offenburg. Damit setzten die Gründer ein klares Zeichen: Der neue Verein verstand sich nicht nur als sportliche Gemeinschaft, sondern auch als Ausdruck lokaler Verbundenheit und städtischer Identität.
Diese Entscheidung markierte den Beginn einer neuen Ära. Aus dem losen Zusammenspiel auf Wiesen und Straßen entwickelte sich ein strukturierter Verein mit klaren Zielen, verbindlichen Regeln und einem stetig wachsenden Mitgliederkreis. Der „Fußballclub 1907 Offenburg“ war geboren – getragen von Idealismus, Gemeinschaftssinn und dem festen Willen, dem Fußball in Offenburg eine dauerhafte Heimat zu geben.
Die Gründungsväter und der erste Vorsitzende: Die Gründungsinitiative des Fußballclub 1907 Offenburg ging von insgesamt neun Persönlichkeiten aus, deren Namen bis heute mit den Anfängen des organisierten Fußballs in der Stadt verbunden sind: H. (Hans-Georg) Furtwängler, Emil Gehringer, Alfred Gutmann, Emil Sutor, Karl (Franz) und Fritz Vogt, Julius und Friedrich Schneggenburger sowie Egon Kahles. Sie alle einte die Vision, dem Fußball in Offenburg eine feste Heimat zu geben und die Begeisterung für das Spiel in geordnete Bahnen zu lenken. Die Namen der Gründungsväter stehen stellvertretend für eine Generation von Pionieren, deren Mut und Idealismus den Fußball in Offenburg dauerhaft verankerten. Ihr Wirken bleibt ein bedeutendes Kapitel in der lokalen Sportgeschichte.
Zum ersten Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins trat Benno Hamburger an – ein Mann von Weitblick und organisatorischem Talent, der fortan die Geschicke des jungen Vereins mit großem Engagement lenken sollte. Unter seiner Führung begann der Aufbau einer stabilen Vereinsstruktur, die sowohl sportliche als auch gesellschaftliche Ziele verfolgte. Hamburger verstand es, die unterschiedlichen Interessen zu bündeln und dem Verein eine klare Richtung zu geben – eine Leistung, die den Grundstein für die weitere Entwicklung legte.
Erste Satzung und erste Hürden: Am 04. Januar 1908 trat die erste Satzung des Fußballclub 1907 Offenburg offiziell in Kraft. Mit diesem formellen Akt erhielt der junge Verein seine rechtliche Grundlage – ein bedeutender Schritt, der die Gründungsidee in verbindliche Strukturen überführte und dem Fußball in Offenburg erstmals einen festen institutionellen Rahmen verlieh. Doch die anfängliche Euphorie wich bald der nüchternen Erkenntnis, daß mit der Vereinsgründung auch große Herausforderungen einhergingen. Die Begeisterung für das Spiel allein reichte nicht aus, um einen funktionierenden Spielbetrieb zu gewährleisten. Eine der drängendsten Fragen lautete: Was bedeutet ein Fußballverein ohne einen eigenen Spielplatz?
Die Gründungsmitglieder hatten der Frage nach einer eigenen Spielstätte zunächst wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Euphorie der Vereinsgründung und die Begeisterung für das Spiel standen im Vordergrund. Doch schon bald zeigte sich, daß ohne ein festes Gelände kein geregelter Spielbetrieb möglich war. Trainingsabläufe, Spielorganisation und die Austragung von Wettkämpfen erforderten eine verlässliche Infrastruktur – ein Ort, der dem Verein Identität und Kontinuität verleihen konnte.
Die Schillerwiese – Erste Heimat des Vereins: Nach kurzen, aber zielführenden Verhandlungen mit dem Domänenamt Offenburg gelang es, das Gelände der damaligen Schillerwiese in der Nordoststadt zu äußerst günstigen Konditionen zu pachten. Diese Fläche bot nicht nur ausreichend Raum für den Spielbetrieb, sondern auch die Möglichkeit, erste bauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Platzverhältnisse zu ergreifen. Mit der Schillerwiese fand der Fußballclub 1907 Offenburg seine erste feste Heimat – ein Ort, an dem sich der sportliche Alltag entfalten konnte und der für viele Mitglieder zum Mittelpunkt ihres Vereinslebens avancierte. Die Pachtung dieses Geländes markierte einen entscheidenden Schritt in der Professionalisierung des Vereins und legte den Grundstein für eine kontinuierliche Entwicklung in den folgenden Jahren.
Die ersten Farben – Ausdruck von Einheit und Heimatverbundenheit: In bemerkenswert kurzer Zeit gelang es dem jungen Fußballclub 1907 Offenburg, eine erste Sportbekleidung zu beschaffen: Rot-weiß gestreifte Hemden, kombiniert mit schwarzen Hosen. Diese Ausstattung verlieh der Mannschaft nicht nur ein einheitliches Erscheinungsbild, sondern stärkte auch das Gemeinschaftsgefühl unter den Spielern. In einer Zeit, in der Fußball noch weitgehend improvisiert und ressourcenarm stattfand, war die Anschaffung eigener Trikots ein bedeutender Schritt in Richtung Professionalität und Vereinsidentität. Wenig später ergänzte der Verein die Spielkleidung um neue weiße Trikots, die stolz das Stadtwappen von Offenburg trugen. Dieses Detail war weit mehr als bloße Zierde – es war ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit zur Heimatstadt und Ausdruck des Selbstverständnisses des Vereins als Teil des städtischen Lebens. Die Farben und Symbole vermittelten Stolz, Zugehörigkeit und den Anspruch, Offenburg würdig auf dem Fußballfeld zu vertreten.
Erste Schritte auf dem Spielfeld – Der Beginn des Wettkampfbetriebs: Zur großen Freude der Spieler und Initiatoren stieß der Fußballclub 1907 Offenburg auf reges Interesse in der Offenburger Bevölkerung. Die Idee eines organisierten Fußballvereins traf den Nerv der Zeit: Immer mehr junge Männer wollten sich aktiv beteiligen, und auch zahlreiche Förderer und Unterstützer fanden sich unter den Bürgern der Stadt. Die Zahl der aktiven wie auch der passiven Mitglieder wuchs rasch – ein deutliches Zeichen für die gesellschaftliche Relevanz, die der Fußball in Offenburg bereits in seinen Anfangsjahren gewann. Bereits im September 1907, nur wenige Wochen nach der Gründung, konnte der Spielbetrieb mit einem ersten offiziellen Wettkampf aufgenommen werden. Das Auftaktspiel gegen den SC Freiburg, einen bereits etablierten Gegner, endete mit einem respektablen 1:1-Unentschieden. Zahlreiche Zuschauer verfolgten das Spiel und sorgte für Gesprächsstoff in der Stadt. Es war der Moment, in dem der Fußballclub 1907 Offenburg nicht nur auf dem Papier existierte, sondern sich erstmals als sportliche Kraft präsentierte – mit Stolz, Einsatz und dem festen Willen, sich in der regionalen Fußballszene zu etablieren.
Ein Mann mit Vision – Eberhard Illmer prägt die Anfangsjahre: Nur wenige Monate nach seiner Gründung konnte sich der Fußballclub 1907 Offenburg über eine bedeutende Verstärkung freuen: Eberhard Illmer übernahm die Rolle des ersten Trainers. Illmer war nicht nur Torwart, sondern auch aktiver Spieler aus dem elsässischen Straßbourg – ein Mann mit Erfahrung, Talent und einem tiefen Verständnis für das Spiel. Seine Rückkehr nach Offenburg, wo er einst das Gymnasium besucht hatte, war mehr als ein Zufall: Es war ein bewusstes Bekenntnis zur Stadt und zu ihrer sportlichen Zukunft. Mit großem Engagement unterstützte Illmer die Vereinsinitiative in jener Zeit. Illmer verstand es, seine Mannschaft nicht nur physisch, sondern auch taktisch weiterzuentwickeln. Unter seiner Leitung gewannen die Übungseinheiten deutlich an Struktur, die Spielweise entwickelte sich zu mehr Präzision und der Teamgeist erlebte einen spürbaren Aufschwung. Seine Verbindung zur Stadt und sein Einsatz für den Fußballclub machten ihn zu einem Vorbild für viele junge Spieler, die sich dem Verein anschlossen.
Ein Schritt in die Fußballöffentlichkeit – Der Beitritt zum Verband Süddeutscher Fußballvereine: Ein weiterer Meilenstein in der frühen Vereinsgeschichte war der Beitritt zum Verband Süddeutscher Fußballvereine. Dieser Verband hatte bereits seit der Saison 1903/04 die Organisation und Verantwortung für den Wettkampfbetrieb in Süddeutschland übernommen und galt als zentrale Instanz für die Strukturierung des regionalen Fußballs. Mit dem Anschluss an diesen Verband zählte der Fußballclub 1907 Offenburg fortan offiziell zum geregelten Ligabetrieb – ein bedeutender Schritt, der weit über die sportliche Ebene hinausreichte. Der Beitritt bedeutete nicht nur die Teilnahme an offiziellen Meisterschaftsrunden, sondern auch die Anerkennung als ernstzunehmender Verein im süddeutschen Fußballraum. Fortan konnte sich Offenburg mit anderen ambitionierten Mannschaften messen.
Mit dem Anschluss an den Verband Süddeutscher Fußballvereine fand der Spielbetrieb des Fußballclub 1907 Offenburg Eingang in ein klar gegliedertes System, das dem Verein neue Orientierung und sportliche Zielsetzungen bot. Der Verband unterteilte sein Gebiet in vier große Spielkreise – Nord, Süd, West und Ost – und schuf damit eine geografisch sinnvolle Struktur, die den regionalen Wettbewerb förderte und die Reisetätigkeit der Vereine in einem praktikablen Rahmen hielt. Innerhalb dieser Spielkreise gab es drei Leistungsklassen:
A-Klasse: Die höchste Spielklasse im jeweiligen Kreis, in der sich die stärksten Mannschaften maßen. Hier ging es um die regionale Meisterschaft, die zugleich als Sprungbrett für überregionale Wettbewerbe diente.
B-Klasse: Die mittlere Ebene, in der ambitionierte Vereine um den Aufstieg kämpften und sich auf höherklassige Aufgaben vorbereiteten.
C-Klasse: Die Einstiegsklasse für neue oder weniger erfahrene Mannschaften, die hier erste Wettkampferfahrung sammelten und sich sportlich entwickeln konnten.Erste Schritte im Ligabetrieb – Zwischen Rückschlägen und Aufbruchsstimmung: Am 19. September 1910 war es soweit: Der Fußballclub 1907 Offenburg trat erstmals in der C-Klasse des Oberrheingaus an – die Einstiegsklasse. Mannschaften aus Freiburg, Straßbourg, Mülhausen und dem umliegenden Gebiet sorgten für ein anspruchsvolles sportliches Umfeld, das dem jungen Offenburger Verein alles abverlangte. Das erste Punktspiel gegen den Sportclub Zabern endete mit einer deutlichen 4:1-Niederlage. Ein ernüchternder Auftakt, der die Mannschaft jedoch nicht entmutigte. Vielmehr diente das Spiel als Ausgangspunkt intensiver Trainingsarbeit und gezielter taktischer Anpassungen. Unter der Leitung von Eberhard Illmer begann das Team, seine Schwächen zu analysieren und gezielt daran zu arbeiten – mit Erfolg.
Im Verlauf der Saison zeigte sich eine bemerkenswerte Entwicklung: Die Mannschaft stabilisierte sich, gewann an Spielstärke und konnte sich gegen etablierte Gegner behaupten. Am Ende der Spielzeit stand ein respektabler dritter Platz in der Tabelle – ein Ergebnis, das nicht nur Hoffnung machte, sondern auch die Ambitionen des Vereins unterstrich. Der Einstieg in den organisierten Ligabetrieb war gelungen, und der Fußballclub 1907 Offenburg hatte sich als ernstzunehmender Teilnehmer etabliert.
Zwischen Spielfreude und Improvisation – Die frühen Jahre auf der Schillerwiese: Zwar stand mit der Schillerwiese nun ein fester Ort für Training und Wettkämpfe zur Verfügung, doch die infrastrukturellen Bedingungen blieben weiterhin schwierig. Das Gelände war weder eingezäunt noch mit einem Vereinsgebäude ausgestattet. Es fehlten grundlegende Einrichtungen wie Umkleidemöglichkeiten, ein geschützter Aufenthaltsraum für Pausen oder ein Unterstand bei schlechtem Wetter – Herausforderungen, die den Alltag des Fußballclub 1907 Offenburg prägten. Die Zuschauer standen bei Spielen dicht gedrängt am Spielfeldrand, oft ohne Absperrung, was zu einer besonderen Nähe zwischen Mannschaft und Publikum führte – aber auch zu organisatorischen Herausforderungen. Diese Jahre waren geprägt von Idealismus, Improvisation und dem festen Glauben an die Zukunft des Vereins. Die infrastrukturellen Mängel galten nicht als Hindernis, sondern als Ansporn – ein Geist, der den Fußballclub 1907 Offenburg bis heute prägt.
Die Organisation des Spielbetriebs erforderte in diesen frühen Jahren viel Improvisation und Einsatzbereitschaft. Es gab keine fest installierten Tore, keine Lagerräume, keine technischen Hilfsmittel – stattdessen war Kreativität gefragt. Vor jedem Spiel mussten Tore, Eckfahnen und weiteres Equipment mühsam aus dem nahegelegenen Restaurant „Braustübl“ herbeigeschafft werden. Dort lagerte das spärliche Vereinsinventar, oft in einem Nebenraum oder Keller und wurde von den Spielern und Helfern eigenhändig zum Platz getragen – bei Wind und Wetter, über holprige Wege und manchmal unter den neugierigen Blicken der Gäste.
Die Bedingungen auf der Schillerwiese blieben bescheiden. Die Fußballtore waren ohne Netze, sodaß der Ball nach einem Torschuss oft weit über das Spielfeld hinausflog und von Spielern oder Zuschauern mühsam zurückgeholt werden musste. Linienmarkierungen waren bestenfalls angedeutet, und der Rasen glich eher einer unebenen Wiese als einem gepflegten Sportplatz. Zahlreiche neugierige Zuschauer versammelten sich dicht am Spielfeldrand – oft ohne Absperrung, manchmal sogar mitten im Spielgeschehen. Dennoch war die Atmosphäre von einer besonderen Energie geprägt.
Der gesamte Spielbetrieb des Fußballclub 1907 Offenburg blieb in dieser Zeit nur dank außergewöhnlichen persönlichen Einsatzes bestehen. Zeit und finanzielle Mittel waren knapp, Einnahmen nahezu nicht vorhanden. Es gab keine festen Eintrittspreise, keine Sponsoren, keine städtische Förderung – der Verein lebte von der Leidenschaft seiner Mitglieder und der wohlwollenden Unterstützung der Fans. Zwar durfte man bei den Zuschauern um Spenden bitten, doch die Mittel reichten kaum aus, um den laufenden Betrieb zu sichern. Jeder Spieler musste hart sparen, um sich Fußballschuhe, Sportkleidung oder die Reisekosten zu Auswärtsspielen leisten zu können. Oft wechselten gebrauchte Schuhe von einem Spieler zum nächsten, Trikots selbst genäht oder Fahrgemeinschaften organisiert, um die Belastungen zu teilen. Diese gelebte Solidarität war ein prägendes Element der Vereinsidentität: Der Fußballclub 1907 Offenburg war nicht nur ein sportlicher Zusammenschluss, sondern eine Gemeinschaft, die füreinander einstand.
Zwischen Leidenschaft und Vorurteilen – Fußball als Außenseitersport: Trotz all dieser Herausforderungen entwickelte sich der Fußballclub 1907 Offenburg kontinuierlich weiter. Der Enthusiasmus beim Training war ungebrochen, die Spieler zeigten Ehrgeiz, Disziplin und eine wachsende taktische Reife. Doch außerhalb des Vereins stieß der Fußball noch nicht überall auf offene Arme. In vielen gesellschaftlichen Kreisen galt der Sport als wenig populär – mitunter sogar als fragwürdig. Besonders an den Mittelschulen hatte der Fußball einen schweren Stand. Während Turnen und Leichtathletik als „formende“ und „charakterbildende“ Disziplinen galten, wurde Fußball oft als zu körperbetont, zu wild oder gar als „englische Modeerscheinung“ abgetan. Lehrer und Direktoren betrachteten das Spiel mit Skepsis, manche sahen darin gar eine Bedrohung für die schulische Ordnung und Disziplin. Fußball galt als laut, unkontrolliert und wenig bildungsbürgerlich – Eigenschaften, die nicht ins pädagogische Ideal jener Zeit passten.
Ein Mann mit Format – Ernst Hollstein und die Professionalisierung des Vereins: Ein entscheidender Impuls für die sportliche Entwicklung des Fußballclub 1907 Offenburg ging von Ernst Hollstein aus. Seine Nähe zur Schillerwiese – er wohnte direkt gegenüber dem südlichen Tor – machte ihn nicht nur zum regelmäßigen Beobachter des Trainingsbetriebs. Als ehemaliger Verteidiger des renommierten Karlsruher FV brachte Hollstein wertvolle Erfahrung, taktisches Wissen und ein Verständnis für strukturiertes Training mit. Eines Tages betrat Ernst Hollstein die Schillerwiese und demonstrierte den staunenden Spielern einige seiner technischen Fähigkeiten. Beeindruckt von seinem Auftreten und Können, kehrte er fortan regelmäßig zurück. Er lehrte die jungen Fußballer grundlegende Techniken wie das Stoppen des Balls, das präzise Spiel von Flachpässen und die ersten Prinzipien der Raumaufteilung und Positionierung.
Konkurrenz im eigenen Revier – Die Gründung des Fußballverein 1910 Offenburg: Drei Jahre voller engagierter Arbeit, wachsender Spielpraxis und stetiger Entwicklung lagen hinter dem Fußballclub 1907 Offenburg, als sich im Frühjahr 1910 eine neue Herausforderung abzeichnete: die Etablierung eines zweiten Fußballvereins in der Stadt. Am 10. März 1910 riefen engagierte Sportfreunde den „Fußballverein 1910 Offenburg“ ins Leben – ein Ereignis, das die bis dahin unangefochtene Stellung des FC 1907 Offenburg ins Wanken brachte. Diese Entwicklung bedeutete eine Zäsur für den bisherigen Alleinanspruch als fußballerisches Zentrum der Stadt. Die neue Konkurrenz brachte neue Dynamik in die lokale Fußballszene. Fortan galt es, sich nicht nur sportlich zu behaupten, sondern auch die eigene Identität und Gemeinschaft zu stärken – eine Aufgabe, die den Verein weiter zusammenschweißte.
* Update: 25. August 25 – Copyright Sven Steppat
Noch bevor sich der erste städtische Fußballverein offiziell konstituierte, hatte der Fußballsport bereits Eingang in das gesellschaftliche Leben unserer Heimatstadt Offenburg gefunden. Um die Jahrhundertwende war das Spiel mit dem Ball vor allem eine ungezwungene Freizeitbeschäftigung für Schüler. Auf Straßen, Wiesen und freien Plätzen fand das Spiel mit einfachsten Mitteln und improvisierten Toren statt – Ausdruck eines natürlichen Bewegungsdrangs und jugendlicher Spielfreude.
Die Kronenwiese – als Keimzelle des Fußballverein 1910 Offenburg: In den folgenden Jahren nahm der Fußballsport in Offenburg deutlich an Fahrt auf. Ein zentraler Ort dieser Entwicklung war die Kronenwiese in der westlichen Vorstadt – ein einfacher, aber entscheidender Schauplatz. Hier eigneten sich einige Arbeitersöhne die Grundregeln des damals noch weitgehend unbekannten Spiels an und entfachten eine neue Begeisterung für den Fußball. Diese Dynamik führte schließlich zur Entstehung eines zweiten Vereins. Mit der Gründung des „Fußballverein 1910 Offenburg“ am 10. März 1910 begann ein neues Kapitel in der Offenburger Fußballgeschichte. Die Initiative von Vizefeldwebel Karl Lang und seinen Mitstreitern war nicht nur sportlich motiviert, sondern auch tief in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt. Besonders prägend war das Engagement der Brüder Josef, August und Valentin Lurk – Söhne des Wirts der Gastwirtschaft zum „Salmen“, die sich als Herzstück des neuen Vereins etablierte. Das vom Bierbrauer und Brauereibesitzer Michael Armbruster (M. Armbruster & Cie. KG) in den Jahren 1907/08 errichtete Gasthaus zum „Salmen“ in der Hauptstraße war nicht nur ein Ort für gesellige Abende – es wurde zum organisatorischen Herzstück des Fußballverein 1910 Offenburg.
In einer Zeit, in der es noch keine Sportheime oder Umkleidekabinen gab, bot der „Salmen“ den jungen Spielern genau das, was sie brauchten: einen Raum zum Umziehen, zum Besprechen, zum Feiern – und nicht zuletzt einen Ort, der nur wenige Schritte von der Kronenwiese entfernt lag. Die Nähe zur Kronenwiese war ein unschätzbarer Vorteil. Die Spieler konnten sich im „Salmen“ vorbereiten und dann direkt zum Platz aufbrechen. Nach dem Spiel kehrten sie zurück – oft verschwitzt, manchmal verletzt, aber stets voller Geschichten und Emotionen. Der „Salmen“ entwickelte sich zu einem lebendigen Treffpunkt für Spieler, Anhänger und Funktionäre. Hier flossen nach Siegen die Gläser, hier fanden nach Niederlagen die ehrlichen Gespräche statt. Hier wuchs der Zusammenhalt und lebte der Fußballgeist.
Die Geburtsstunde des Vereins – Mit Disziplin und Farbe: Die meisten der fußballbegeisterten Gründungsmitglieder des Fußballverein 1910 Offenburg stammten aus der Kinzigvorstadt – einem lebendigen Stadtteil, in dem sich der Sport rasch verbreitete. Fünf der fußballbegeisterten Gründungsmitglieder des Fußballverein 1910 Offenburg entstammten dem traditionsreichen Arbeiter-Turnverein von 1860, dessen Übungsplatz sich auf dem freien Gelände nordöstlich des Bahndamms an der Stegermatt befand. Die Gründungsmitglieder – Emil Klein, Karl Merz, Jakob Fischer, Leonhard Künstle, Franz Dorer sowie die Brüder Josef, August und Valentin Lurk – waren Männer mit Vision. Ihre Entscheidung, einen eigenen Fußballverein ins Leben zu rufen, war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins in der Kinzigvorstadt: Man wollte nicht länger nur Zuschauer sein, sondern selbst gestalten, mitspielen und mitbestimmen.
Mit Vizefeldwebel Karl Lang als erstem Vorsitzenden erhielt der junge Verein eine Führungspersönlichkeit, die Ordnung und Struktur verkörperte. Als Angehöriger des Badischen Infanterie-Regiments 170 (2. Kompanie), das in Offenburg stationiert war, brachte Lang nicht nur militärische Erfahrung mit, sondern auch organisatorisches Geschick und Autorität – Eigenschaften, die dem Verein in seiner Anfangszeit Stabilität verliehen. Die Wahl der Vereinsfarben „Rot und Schwarz“ war mehr als nur eine ästhetische Entscheidung – sie spiegelte den Charakter der Gründungsmitglieder wider: Leidenschaft und Entschlossenheit.
Die ersten Spielfelder – Improvisation und Idealismus: Die Kronenwiese war ein öffentlicher Sandplatz mit allerlei Hindernissen und für die jungen Fußballer mehr Notlösung als Sportstätte. Der Boden war hart, staubig und bei Regen kaum bespielbar. Besonders ärgerlich war der Hydrant am Übungshaus der Feuerwehr, der wie ein sturer Wächter das Spielfeld einschränkte. Ganz gleich, wie die Tore ausgerichtet wurden – der Hydrant war stets im Weg. Die Tore mussten vor jedem Spiel auf- und nach dem letzten Pfiff wieder abgebaut werden, denn die Wiese diente auch anderen Zwecken: Festen, Spiele, Übungen, Spaziergängern. Die Tore mussten nach jedem Spiel oder Training auf- und abgebaut werden – eine mühsame, aber notwendige Routine. Trotz dieser widrigen Umstände ließen sich die jungen Fußballer nicht entmutigen. Doch der Wille, Fußball zu spielen, war stärker als jede Widrigkeit. Die Improvisation gehörte zum Alltag, und mit jedem Spiel wuchs der Wunsch nach einem eigenen Platz.
Knappe Mittel, große Sorgfalt: Die Stadtverwaltung Offenburg erkannte das Engagement und stellte schließlich ein Gelände südlich des Bahndamms zur Verfügung – zwischen Mühlbach und Zähringerstraße, beim sogenannten „Pulverhäuschen“ (heute: Am Krummer“), einem Ort, der später Teil der Uhlgrabensiedlung wurde. Auch hier war die Infrastruktur bescheiden, doch der neue Platz bot zumindest mehr Ruhe und Kontinuität für den Spielbetrieb. Die neue Spielfläche war ein Meilenstein, doch die finanziellen Mittel des Vereins blieben bescheiden. Bälle waren kostbar – nicht nur im Spiel, sondern auch in der Pflege. Das Reinigen, Trocken und sorgfältige Verwahren nach jedem Training galt als stilles Ritual. Ein geplatzter Ball war ein herber Verlust, denn Ersatz war teuer und selten. Diese Umstände schweißten die Mitglieder zusammen: Jeder trug Verantwortung, jeder half mit und der Fußball galt als gemeinsame Aufgabe. Diese Umstände schweißten die Mitglieder zusammen und prägten eine Kultur der Wertschätzung und des Zusammenhalts, die den Verein bis heute trägt.
Erste Schritte im Ligabetrieb – Zwischen Ehrgeiz und Ernüchterung: Mit dem Beitritt zum Verband Süddeutscher Fußballvereine wagte der Fußballverein 1910 Offenburg den Schritt in den organisierten Ligabetrieb – ein bedeutender Meilenstein für den jungen Verein. Der Verband, der bereits seit der Saison 1903/04 den Punktspielbetrieb strukturierte, unterteilte sein Gebiet in vier große Spielkreise – Nord, Süd, West und Ost – und schuf damit eine geografisch sinnvolle Struktur, die den regionalen Wettbewerb förderte und die Reisetätigkeit der Vereine in einem praktikablen Rahmen hielt. Innerhalb dieser Spielkreise gab es drei Leistungsklassen:
A-Klasse: Die höchste Spielklasse im jeweiligen Kreis, in der sich die stärksten Mannschaften maßen. Hier ging es um die regionale Meisterschaft, die zugleich als Sprungbrett für überregionale Wettbewerbe diente.
B-Klasse: Die mittlere Ebene, in der ambitionierte Vereine um den Aufstieg kämpften und sich auf höherklassige Aufgaben vorbereiteten.
C-Klasse: Die Einstiegsklasse für neue oder weniger erfahrene Mannschaften, die hier erste Wettkampferfahrung sammelten und sich sportlich entwickeln konnten.Für den Fußballverein 1910 Offenburg bedeutete dies den Einstieg in die C-Klasse des Oberrheingaues – die Einstiegsklasse. Mannschaften aus Freiburg, Straßbourg, Mülhausen und dem umliegenden Gebiet sorgten für ein anspruchsvolles sportliches Umfeld, das dem jungen Offenburger Verein alles abverlangte. Das erste Punktspiel fand am 24. September 1911 gegen den Fußballclub Schiltigheim statt und endete mit einem achtbaren 3:3-Unentschieden. Doch die Euphorie hielt nicht lange: Am Ende der Spielrunde belegte der Fußballverein 1910 Offenburg den letzten Platz. Trotz der Niederlagen war diese Phase von unschätzbarem Wert. Der Verein sammelte Erfahrung, lernte aus Fehlern und entwickelte ein stärkeres Bewusstsein für die Anforderungen des Ligafußballs. Größere sportliche Erfolge blieben dem Fußballverein 1910 Offenburg zunächst verwehrt – eine bittere, aber lehrreiche Phase in der Vereinsgeschichte.
Der erste große Vergleich – Rivalität mit dem Stadtrivalen: Der Fußballverein 1910 Offenburg traf in dieser Klasse auf den bereits etablierten Stadtrivalen Fußballclub 1907 Offenburg. Die Rivalität war nicht nur sportlich, sondern auch ein Spiegel der sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Vereinen. Schnell zeichnete sich ab, daß der Fußballclub 1907 Offenburg dem jüngeren Verein technisch und spielerisch überlegen war. Während der FC bereits über Erfahrung und Spielstärke verfügte, war der FV noch dabei, sich zu finden.
* Update: 25. August 25 – Copyright Sven Steppat
Zusammenschluss aus Notwendigkeit – Die Fusion der beiden Offenburger Fußballvereine markierte den Beginn einer neuen Ära. Aus dem Zusammenschluss entstand eine starke Gemeinschaft, die sich fortan als „Offenburger Fußballverein“ einen Namen machen sollte. Die frühen Jahre waren geprägt von Improvisation, Idealismus und dem unermüdlichen Einsatz der Mitglieder, die den Fußball in Offenburg fest etablieren wollten.
Aus der Not geboren – Der Weg zur Vereinigung: Nach nur wenigen Jahren des Nebeneinanders verdeutlichte: Die parallele Existenz zweier Fußballvereine in Offenburg war zwar Ausdruck einer lebendigen Sportkultur, doch sie brachte auch Herausforderungen mit sich. Die Ressourcen waren begrenzt, die Trainingsflächen knapp, und die Konkurrenz um Spieler, Zuschauer und städtische Unterstützung wuchs. Immer mehr Stimmen forderten die eine Bündelung der Kräfte – nicht aus Rivalität, sondern aus Vernunft. Was zunächst wie eine existenzielle Bedrohung wirkte, entpuppte sich als Katalysator für eine historische Entscheidung. Die Notwendigkeit, gemeinsam für den Erhalt des Fußballs in Offenburg zu kämpfen, führte zum Gedanken eines Zusammenschlusses. Die Idee, die Kräfte zu bündeln, gewann an Zustimmung – nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch aus dem Wunsch heraus, eine starke, geeinte Fußballgemeinschaft zu schaffen.
Die drohende Platznot, die politischen Rahmenbedingungen und die wachsende Einsicht in die Vorteile einer Fusion ebneten den Weg für eine neue Ära im Offenburger Fußball – eine Ära, die aus der Krise entstand, aber von Weitsicht und Gemeinschaftsgeist getragen war. Zum Ende des Jahres 1911 verdichtete sich die Lage dramatisch. Das „Gespenst“ der Platzverluste schwebte über beiden Vereinen. Am 04. Mai 1911 beschlossen die Stadtverordneten einstimmig den Bau eines neuen Oberrealschulgebäudes auf der Schillerwiese an der Zeller Straße – jenem Ort, der für den Fußballclub 1907 Offenburg zur sportlichen Heimat geworden war. Der erste Spatenstich erfolgte im Oktober 1913, doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verzögerte die Fertigstellung erheblich.
Gleichzeitig sollte der Sportplatz am Pulverhäuschen – die Spielstätte des Fußballverein 1910 Offenburg – in Kleingärten umgewandelt werden. Damit standen beide Vereine vor dem gleichen Problem: dem drohenden Verlust ihrer Trainings- und Wettkampfflächen. Die Stadtverwaltung machte unmissverständlich klar, daß sie nicht bereit war, zwei neue Sportplätze zur Verfügung zu stellen.
Ein historischer Schulterschluss – Die Geburt des Offenburger Fußballverein: Die aufgenommenen Einigungsverhandlungen verliefen erfolgreich. Die Szene im Gasthaus „Alte Pfalz“ am 08. Februar 1913 war mehr als nur ein formaler Akt – sie war ein symbolischer Meilenstein für den Offenburger Fußballsport. Als Fritz Vogel vom Fußballclub 1907 Offenburg und Vizefeldwebel Karl Lang vom Fußballverein 1910 Offenburg sich die Hände reichten, wich die Rivalität zu einer Partnerschaft. Ihre Entscheidung, die Kräfte zu vereinen, war getragen von gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Ziel, den Fußball in Offenburg auf ein neues Niveau zu heben. Die Abstimmung über den neuen Vorstand erfolgte geheim und einstimmig – ein Zeichen für den breiten Rückhalt dieser Entscheidung.
Professor Karl Winkler ging als Vorsitzender aus der Wahl hervor, ein Lehrer an der Realschule in Offenburg und zugleich aktiver Schiedsrichter. Als Stellvertreter fungierten Friedrich Vogel und Vizefeldwebel Karl Lang. Die Schriftführung übernahmen die Sportkameraden Alfred Flüge und Ferdinand Kehl, während Egon Kahles und Karl Günner als Kassierer berufen wurden. Als Beisitzer traten Professor Robert Hefner – später Südbadischer Fußball-Funktionär und Vizepräsident der FIFA – sowie Johann Rothmund dem Vorstand bei.
Mit der Gründung des Offenburger Fußballverein begann ein neues Kapitel, das nicht nur sportlich ambitioniert war, sondern auch gesellschaftlich bedeutsam. Der Verein wurde zu einem Ort der Begegnung, der Integration und des gemeinsamen Erlebens – getragen von dem Geist, der ihn einst vereinte.
Wandel der Vereinslokale und ein tragisches Ereignis: Am 21. August 1920 erfolgte die offizielle Eintragung des Offenburger Fußballverein in das städtische Vereinsregister – ein weiterer Schritt zur Festigung seiner Stellung im lokalen Sportleben. Als neues Vereinslokal diente fortan das Gasthaus „Zähringer Hof“ in der Grabenallee 22/24, das für viele Jahre zum Treffpunkt der Mitglieder und zur Heimat des Vereins wurde. Doch ein tragisches Kapitel überschattete die Geschichte dieses Lokals: In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1972 kam es infolge eines Eifersuchtsdramas zu einer verheerenden Brandkatastrophe, bei der ein Todesopfer zu beklagen war. Das Gasthaus brannte vollständig aus und verschwand damit aus dem Stadtbild wie auch aus dem dortige Vereinsleben. Lange vor diesem Unglück hatte der Verein bereits einen neuen Treffpunkt gefunden. Das Vereinslokal war in das Gasthaus „Neue Pfalz“ in der Hauptstraße 85 umgezogen – ein Ort, der fortan die neue Heimat wurde und die Tradition des Vereins weitertrug.
Ein Fundament für die Zukunft – Der Weg zur Stegermatt: Die Vereinigung zum Offenburger Fußballverein war nicht nur ein organisatorischer Zusammenschluss, sondern ein strategischer Schritt mit Weitblick. Mit bereits 178 Mitgliedern bei der Gründung verfügte der neue Verein über eine solide Basis – sowohl personell als auch strukturell. Doch eine zentrale Herausforderung blieb: die Beschaffung eines geeigneten Sportplatzes für den Trainings- und Spielbetrieb. Die bisherigen Spielstätten – die Schillerwiese und das Gelände am Pulverhäuschen – standen nicht mehr zur Verfügung. Die Stadtverwaltung hatte andere Pläne: Schulneubauten und Kleingartenanlagen verdrängten den Fußball aus seinen angestammten Räumen. Es bedurfte langwieriger und diplomatisch geführter Verhandlungen, bis sich schließlich eine Lösung fand.
Die Wahl fiel auf die „Stegermatt“, ein Gelände nordöstlich des Bahndamms, das bereits sportlich genutzt war. Hier hatte sich der frühere Arbeiter-Turnverein von 1860 – später unter dem Namen DJK Offenburg bekannt – etabliert. In einem Akt der sportlichen Solidarität erhielt der Verein einen Teil des Geländes. So entstand eine neue sportliche Nachbarschaft, geprägt von gegenseitigem Respekt und gemeinsamer Nutzung. Die „Stegermatt“ entwickelte sich zur neuen Heimat des Offenburger Fußballverein 1907. Zwar entsprach das Gelände noch nicht modernen Standards, doch es bot Raum für Entwicklung, Begegnung und sportliche Entfaltung.
Mit Schaufel, Schweiß und Solidarität – Der Aufbau der „Stegermatt“: Der Weg des neuen Vereins war in dieser Zeit rau und dornig – geprägt von finanzieller Knappheit und körperlicher Anstrengung und die Jahre nach der Vereinigung waren geprägt von einem bemerkenswerten Pioniergeist. Der Offenburger Fußballverein stand vor einer Mammutaufgabe: Aus einem einfachen Gelände sollte eine würdige Heimstätte für den Fußball entstehen. Die Mitglieder packten selbst mit an – oft nach Feierabend, bei Wind und Wetter, mit einfachsten Mitteln, aber mit umso größerer Entschlossenheit. Um den Spielbetrieb zu sichern, wurde das Gelände mit einem stabilen Umzäumung eingefasst. Dies war nicht nur organisatorisch notwendig, sondern auch ein Zeichen der Eigenständigkeit. Mit viel Mühe wurde das Spielfeld entwässert – ein technischer Kraftakt, der den Platz überhaupt erst bespielbar machte. Es entstanden erste Umkleidemöglichkeiten, ein kleiner Geräteschuppen und provisorische Tribünen aus Holz. Alles war schlicht, aber funktional – und Ausdruck des Willens, etwas Bleibendes zu schaffen.
Ein historischer Meilenstein – Die Einweihung der Hauptkampfbahn: Diese Aufbaujahre schweißten den Verein zusammen. Es war nicht nur der Fußball, der die Menschen verband – es war das gemeinsame Schaffen, das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Die „Stegermatt“ war nicht einfach nur ein Sportplatz – sie war das Herzstück des Vereins. Sie wurde ein Symbol für Zusammenhalt, für den Glauben an den Sport und für die Kraft der Gemeinschaft. Der 26. Oktober 1913 sollte als bedeutender Tag in die Vereinsgeschichte eingehen. Nach Jahren der Mühen, des Aufbaus und der Entbehrungen konnte die Hauptkampfbahn mit dem Spiel gegen das Badische Infanterie-Regiment 170 seiner Bestimmung übergeben werden. Die Zeremonie war mehr als nur ein sportliches Ereignis: Sie war Ausdruck des Durchhaltevermögens, der Leidenschaft und des Gemeinschaftsgeistes, die den Offenburger Fußballverein seit seiner Gründung getragen hatten.
Familienbande und sportlicher Aufstieg: Die Zusammenlegung der beiden Offenburger Fußballvereine brachte nicht nur organisatorische Klarheit, sondern auch sportliche Stärke. Der Kreis der Aktiven wuchs deutlich und erstmals war es möglich, aus einer breiteren Spielerschaft gezielt eine leistungsfähige Mannschaft zu formen. Unter den herausragenden Spielern dieser Zeit stachen besonders die Brüder Josef, August und Valentin Lurk hervor – drei fußballbegeisterte Söhne aus einer Familie, die den Verein maßgeblich prägten. Doch damit nicht genug: Die drei jüngeren Brüder – Fritz, Albert und Andreas Lurk – traten später ebenfalls dem Verein bei und eiferten ihren älteren Geschwistern nach. Sechs Brüder in einem Verein, alle dem Fußball mit Herz und Hingabe verbunden – ein außergewöhnliches Kapitel in der Offenburger Sportgeschichte, das bis heute seinesgleichen sucht.
Strukturelle Fortschritte im Verband – Der Weg in die B-Klasse: Parallel zur internen Entwicklung des Vereins vollzog sich auch im Verband Süddeutscher Fußballvereine eine entscheidende Reform. Ab 1912 wurde das Spielsystem vereinheitlicht und in vier Kreise – Nord, Süd, West und Ost – gegliedert. Innerhalb dieser Kreise bildete die Kreisliga die höchste Leistungsklasse, gefolgt von der A-Klasse, sowie der B- und C-Klasse auf den Gau-Ebenen. Für den Offenburger Fußballverein bedeutete die Zuteilung zur B-Klasse im Oberrheingau im Jahr 1913 einen wichtigen Schritt nach vorn. Die neuen Gegner – FV Lahr, Germania Freiburg, FC Waldkirch und FV Emmendingen – waren etablierte Mannschaften mit Erfahrung und Qualität. Umso bemerkenswerter war der sportliche Einstand: Ein dritter Tabellenplatz in der ersten Saison auf höherem Niveau zeugte von der Stärke und dem Potenzial der neu formierten Mannschaft.
Die Oberrealschule als Talentschmiede – Der Einfluss von Ernst Hollstein: Die Entwicklung des Offenburger Fußballverein wurde nicht nur durch familiäre Leidenschaft und strukturelle Reformen getragen, sondern auch durch die Einbindung junger Talente aus der Schülervereinigung der Oberrealschule, die seit 1912 bestand. Diese Schüler kamen nicht unvorbereitet: Sie hatten das Glück, von Ernst Hollstein, einem ehemaligen Spieler des Karlsruher FV und damaligen Gewerbelehrer in Offenburg, unterrichtet zu werden. Hollstein brachte nicht nur taktisches Wissen und technische Raffinesse mit, sondern auch die Fähigkeit, junge Menschen für den Fußball zu begeistern und zu formen. Die Schüler waren geprägt von einer fundierten Ausbildung und einem modernen Verständnis des Spiels. Sie verstanden Positionsspiel, Ballkontrolle und taktische Disziplin – Fähigkeiten, die zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich waren. Der Verein profitierte enorm von diesem Zustrom an Qualität und konnte seine Mannschaften gezielt verstärken.
Der Erste Weltkrieg und der „Eiserne Fußball“: Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 bedeutete einen jähen Einschnitt in das Vereinsleben. Mit der Mobilmachung am 02. August zogen nicht nur Berufssoldaten an die Front, sondern auch Männer aus allen Gesellschaftsschichten: Maler, Bäcker, Zahntechniker, Friseure, Kaufleute, Gärtner und Lehrer – sie alle tauschten das Fußballtrikot gegen die Uniform. Selbst Gymnasiasten und Studenten, darunter viele junge Talente des Vereins, folgten dem Ruf an die Front. Die erste Mannschaft stellte nahezu vollständig die Spieler in den Kriegsdienst, rückte die zweite Mannschaft in den Vordergrund. Diese bestand aus jungen, technisch versierten Spielern, die nun die Verantwortung für das sportliche Gesicht des Vereins trugen. Trotz der widrigen Umstände und der allgemeinen Unsicherheit gelang es ihnen, den Spielbetrieb – wenn auch eingeschränkt – aufrechtzuerhalten.
Der „Eiserne Fußball“ und der erste große Erfolg: Im Frühjahr 1916 nahm der Offenburger Fußballverein an den Spielen um den sogenannten „Eisernen Fußball“ teil – ein Wettbewerb, der unter Kriegsbedingungen organisiert wurde und symbolisch für Durchhaltewillen und Kameradschaft stand. Ein größerer sportlicher Erfolg blieb zunächst aus, doch die Teilnahme selbst war ein Zeichen der Vitalität des Vereins. Im Herbst desselben Jahres folgte dann der Durchbruch. In den Verbandsspielen errang die Mannschaft die Meisterschaft in seinem Bezirk – ein historischer Moment, der erstmals Ruhm und Ehre an die Farben des Vereins band. Trotz der Belastungen des Krieges und der personellen Engpässe bewies der Verein bemerkenswerte Widerstandskraft und sportliche Klasse.
Fußball im Schatten des Krieges – Der unbeugsame Geist: Trotz der düsteren Umstände des Ersten Weltkriegs blieb der Fußball in Offenburg, Lahr und Straßburg bemerkenswert lebendig. Die Garnisonen dieser Städte entwickelten sich zu unerwarteten Keimzellen des Spielbetriebs, denn mit den Soldaten, die aus allen Teilen des Landes einrückten, kamen auch erfahrene Fußballer – Männer, die das Spiel kannten, liebten und weitertragen wollten. In dieser schwierigen Zeit traten zwei Männer besonders hervor: Ferdinand Kehl und Anton Göhringer. Mit unermüdlichem Einsatz und organisatorischem Geschick hielten sie den Verein zusammen. Sie mobilisierten die Spieler der Schülervereinigung und integrierten Soldaten der Badischen Infanterie-Regimenter 170 und 172 in die Mannschaften. Ihre Arbeit war geprägt von Idealismus – oft griffen sie in die eigene Tasche, denn die jungen Spieler hatten kaum Geld. Die Einnahmen aus Wettspielen reichten gerade aus, um neue Bälle zu beschaffen oder gelegentlich die Fahrtkosten zu decken.
1917 – Fußball als Widerstand gegen die Entbehrung: Auch im Kriegsjahr 1917 rollte der Ball weiter. Trotzte den widrigen Umständen, obwohl die Herausforderungen stetig wuchsen. Immer neue Jahrgänge gingen zum Kriegsdienst und die Belastungen an der Front wie in der Heimat nahmen zu. Dennoch blieb der Fußball ein Symbol für Zusammenhalt, Normalität und Hoffnung.
1918 – Der Spielbetrieb erlahmt, aber der Wille bleibt: Erst Anfang 1918, als der Krieg seine volle Härte entfaltete und sämtliche Kräfte beanspruchte, kam der Spielbetrieb allmählich zum Erliegen. Die Einberufungen ließen kaum noch Raum für sportliche Aktivitäten. Doch der Verein war nicht unterzukriegen. Er bewahrte seine Identität, seine Gemeinschaft und seine Leidenschaft – selbst in den dunkelsten Stunden.Ehre, wem Ehre gebührt – Der Gedenkstein auf der „Stegermatt“: Der Erste Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren auch im Offenburger Fußballverein. Mit dem Verlust von 22 seiner besten Sportkameraden verlor der Verein nicht nur Spieler, sondern Freunde, Mitstreiter und Weggefährten. Ob sie zum Zeitpunkt ihres Todes noch ein offizielles Mitgliedsbuch des Vereins besaßen, spielte keine Rolle. Die Lücken, die sie hinterließen, waren nicht allein sportlicher Natur, sondern menschlich kaum zu schließen. Sie gehörten zu jenen, die den Fußball in Offenburg mit Leben füllten, ihn mitgestalteten und ihm ein Gesicht gaben. Im Jahr 1923 setzte der Verein ein Zeichen des Gedenkens und der Dankbarkeit. Der damalige 1. Vorsitzende Friedolin Stadler enthüllte auf der „Stegermatt“ einen Gedenkstein, der bis heute an die gefallenen Vereinsmitglieder erinnert. In den Stein sind die Namen jener Männer eingraviert, die einst das Trikot trugen – ob als Stammspieler, Nachwuchstalent oder begeisterter Mitläufer. Ihre Zugehörigkeit zum Verein war nicht an ein Mitgliedsbuch gebunden, sondern an ihre gelebte Leidenschaft für das Spiel mit dem runden Leder.
Dieser Gedenkstein ist mehr als ein Denkmal. Er ist ein stiller Zeuge der Geschichte, ein Mahnmal für die Opfer des Krieges und ein Symbol für die Verbundenheit zwischen Sport und Leben. Er erinnert daran, daß der Fußball nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Umbrüchen existiert, sondern Teil davon ist – mit all seinen Höhen und Tiefen. Heute steht der Gedenkstein im Karl-Heitz-Stadion.
Wiederbeginn mit Herzblut – Ein neuer Abschnitt nach dem Ersten Weltkrieg: Kaum war der letzte Kanonendonner verklungen, kehrte beim Offenburger Fußballverein der Fußball zurück – nicht als bloßes Spiel, sondern als Ausdruck von Hoffnung, Zusammenhalt und Lebenswillen. Trotz Hunger, Kälte und materieller Not nahm der Verein schon wenige Wochen nach Kriegsende seine Tätigkeit wieder auf. Es war, als hätte der Ball nur kurz geruht – und nun rollte er wieder, getragen von der Sehnsucht nach Normalität. Am ersten Sonntag des Jahres 1919 fand in Lahr das erste Spiel der neuen Ära statt. Und es blieb nicht bei einem: Spiel um Spiel wurde ausgetragen, als wolle man die verlorene Zeit mit jedem Anpfiff zurückerobern.
Ein besonderes Kapitel schrieb der 28. März 1920: Im Gau Südwest traf der Offenburger Fußballverein in der 2. Hauptrunde des Süddeutschen Pokals auf den SC Freiburg – ein Duell, das sich zu einem wahren Marathon entwickelte. 204 Minuten dauerte die Begegnung, ein episches Ringen um jeden Ball, jede Chance. Am Ende siegte Freiburg knapp mit 2:1, doch die Leistung der Offenburger war legendär. Schon zuvor hatten sie den späteren Kreisliga-Meister Freiburger FC mit einem klaren 3:0 bezwungen – ein Achtungserfolg, der zeigte, daß der Verein nicht nur zurück war, sondern mit Stolz und Stärke aufspielte.
Meisterschaft und Aufstieg – Ein kurzer Höhenflug: Mit dem Spieljahr 1920/21 begann für den Offenburger Fußballverein ein neues Kapitel: Der Verein erhielt 1913 die Zuordnung zum neu geschaffenen Gau Nördlicher Schwarzwald – eine regionale Neustrukturierung, die frischen Wind in die Fußballlandschaft brachte. Und der Verein nutzte die Gelegenheit eindrucksvoll. In einer äußerst erfolgreichen Spielrunde sicherte sich der Verein die Meisterschaft in der A-Klasse, was gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Kreisliga war – damals die höchste Spielklasse, auch als Ligaklasse bekannt. Es war ein sportlicher Meilenstein, der den Verein in die Elite des südwestdeutschen Fußballs katapultierte. Doch der Höhenflug war von kurzer Dauer, das jedoch eindrucksvoll zeigte, welches Potenzial in der Mannschaft steckte.
Ein Meilenstein aus Holz und Gemeinschaft – Die Tribüne: Der Offenburger Fußballverein bewies in den frühen 1920er Jahren nicht nur sportlichen Ehrgeiz, sondern auch organisatorische Stärke und eine beeindruckende Gemeinschaftskraft. Im Jahr 1922, nach intensiven und mühsamen Arbeiten, konnte der Verein einen bedeutenden Schritt in Richtung moderner Infrastruktur gehen. Eine Zuschauertribüne aus Holzelementen mit integrierten Umkleidekabinen wurde errichtet – ein echtes Prestigeprojekt für die damalige Zeit. Doch dieser Bau war kein Selbstläufer. Es war die Opferbereitschaft und tatkräftige Mithilfe der Mitglieder, die das Projekt überhaupt möglich machten. Mit Schaufel, Hammer und Herzblut wurde nicht nur gebaut, sondern auch ein Zeichen gesetzt.
Dieses Bauprojekt war ein Meilenstein in der Infrastruktur des Offenburger Fußballverein und zeugte vom starken Zusammenhalt innerhalb des Vereins. Die Finanzierung der Baukosten wurde durch die Ausgabe von Anteilscheinen – sogenannten „Bausteinen“ – ab dem 01. Juli 1922 ermöglicht. Jeder Anteilschein entsprach einem Betrag von 100 Mark, den der Inhaber dem Verein unter bestimmten Bedingungen geliehen hatte. Mitglieder und Unterstützer konnten sich durch den Erwerb dieser Scheine direkt am Aufbau beteiligen und so einen bleibenden Beitrag zur Entwicklung des Vereins leisten. Die neue Tribüne war nicht nur ein praktisches Bauwerk, sondern auch ein Symbol für den Aufbruch und die gemeinsame Kraft, mit der der Offenburger Fußballverein seine Zukunft gestaltete.
Die Konditionen waren klar geregelt:
Verzinsung: Ab dem 01. Januar 1923 wurde der geliehene Betrag zu dem jeweils gültigen Zinssatz der Städtischen Sparkasse Offenburg verzinst. Die Zinsauszahlung erfolgte jährlich im Januar, erstmals im Januar 1924. Zeit und Ort der Auszahlung wurden über die Tageszeitungen bekanntgegeben.
Tilgung durch Auslosung: Von der Gesamtschuld, die durch die Ausgabe der Anteilscheine entstanden war, wurde jährlich mindestens ein Betrag von 1.000 Mark ausgelost. Die ausgelosten Scheine sowie Zeit und Ort der Auszahlung wurden ebenfalls öffentlich über die Tagespresse bekanntgegeben.Militärische Besetzung – Ein Schock für Offenburg: Die Morgenstunden des 04. Februar 1923 sollten sich tief ins kollektive Gedächtnis der Offenburger Bevölkerung einprägen. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Sonntag begann, verwandelte sich binnen Stunden in eine Szene militärischer Präsenz und politischer Anspannung. Französische Truppen in einer Stärke von 1.700 Soldaten marschierten über die Hauptstraße in Richtung Rathaus vor. Es waren drei Bataillone des 170. Infanterie-Regiments, weitere drei Batterien Artillerie der 7. Radfahrer-Kompanie und eine Gruppe „Panzerautos“, die zuvor in Straßbourg über den seit 1919 französisch besetzten Brückenkopf Kehl in zwei Kolonnen aufgebrochen waren. Um 11:00 Uhr versammelte der kommandierende General Michel die Behördenvertreter und den Stadtrat im Rathaussaal. In einer kurzen, aber entschlossenen Ansprache im Ton des Siegers erklärte er den Grund der Besetzung und gab unmissverständlich die Order aus: „... daß strenge Ruhe und Ordnung gewahrt bleiben müssen.“ Diese militärische Präsenz stellte nicht nur eine politische und gesellschaftliche Belastung dar, sondern beeinflusste auch das Vereinsleben, dessen Mitglieder sich nun in einer Stadt wiederfanden, die unter fremder Kontrolle stand.
Fußball im Ausnahmezustand – Die Folgen der französischen Besetzung: Die französische Besetzung Offenburgs ab dem 04. Februar 1923 hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das öffentliche Leben und besonders auf den Fußball. Der Spielbetrieb kam nahezu vollständig zum Erliegen, denn die Stadt wurde für rund eineinhalb Jahre zum französischen Zollgebiet. Diese Maßnahme war Teil der politischen Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs, insbesondere der Rheinlandbesetzung durch die Alliierten und der Bestimmungen des Versailler Vertrags.
Im Zuge dieser Maßnahmen wurde die Hauptverkehrslinie zwischen Karlsruhe und Basel gesperrt. Bahnreisende mussten die Züge verlassen: Aus dem Norden endeten sie in Renchen, aus dem Süden in Schutterwald oder Ortenberg (Schwarzwaldbahn). Die strengen Einreisebestimmungen erschwerten zusätzlich die Organisation von Fußballspielen in Offenburg. Sämtliche Vor- und Rückspiele mussten auf den Plätzen der gegnerischen Mannschaften ausgetragen werden. Der Spielbetrieb in Offenburg selbst kam vollständig zum Erliegen – eine bittere Zeit für den Offenburger Fußballverein und seine Anhänger.
Abschied unter Wolkenbruch – Das Ende der Besatzungszeit: Die politische Weichenstellung für das Ende der französischen Besatzung in Offenburg erfolgte im Rahmen des Londoner Abkommens zu Reparationsfragen, das vom 16. Juli bis zum 16. August 1924 tagte. Ziel war es, die finanziellen Verpflichtungen des Deutschen Reichs gegenüber den Siegermächten zu regeln. Das Ergebnis war der vertraglich vereinbarte Dawes-Plan, der eine neue Grundlage für die Reparationen schuf und zugleich eine Entspannung der politischen Lage ermöglichte. Nur zwei Tage nach dem Ende der Konferenz, am 18. August 1924, verließen die französischen Militärs tatsächlich die Stadt Offenburg. Der Stadtrat Georg Monsch erinnerte sich später eindrücklich an diesen Moment: „Unter Sturm und förmlichem Wolkenbruch und menschenleeren Straßen marschierten die Kolonnen durch die Vorstadt in Richtung Kehl.“ So endete die sogenannte „Tollhauszeit“ für Offenburg ebenso überraschend und rasch, wie sie begonnen hatte. Für den Offenburger Fußballverein bedeutete dies die Rückkehr zur Normalität – und die Hoffnung auf einen Neubeginn im eigenen Stadion, mit eigenen Fans und auf heimischem Boden. Mit dem Abzug der französischen Besatzungstruppen im August 1924 kehrte auch im Vereinsleben spürbare Erleichterung ein. Der Trainingsbetrieb konnte wieder geordnet aufgenommen werden, und die Rahmenbedingungen für den Spielbetrieb verbesserten sich deutlich.
Rückkehr zur sportlichen Normalität: Nach den schweren Einschränkungen durch die französische Besatzung kehrte ab 1923 allmählich wieder Struktur in den süddeutschen Fußball ein. Die Einführung eines neuen Verbandsgebiets mit fünf Bezirken und jeweils einer Bezirksliga als höchste Spielklasse markierte einen wichtigen Schritt zur Professionalisierung und Vereinheitlichung des Spielbetriebs. Im Spieljahr 1924/25 stieg die Leistungskurve des beträchtlich an. Nach harten Kämpfen in der Kreisliga Südbaden errang der Verein den Kreismeistertitel. Zwar erfüllten sich die Hoffnungen in den anschließenden Aufstiegsspielen noch nicht. Mit dem erneuten Gewinn der Kreismeisterschaft Südbaden und der Spielsystemänderung auf dem Verbandstag 1927 war der Weg für den Offenburger Fußballverein frei: Der Verein stieg in die Bezirksliga Württemberg/Baden (Gruppe Baden) auf – die damals höchste Spielklasse im südwestdeutschen Raum. Damit krönte der Verein sein 20-jähriges Vereinsjubiläum mit einem sportlichen Meilenstein. Der sportliche Aufstieg in die höchste Liga war ein Symbol für den Wiederaufbau und die Beharrlichkeit des Vereins.
Ein Verein baut sich selbst – Die „Stegermatt“ als Spiegel des Gemeinschaftsgeistes: Seit dem Zusammenschluss zum Offenburger Fußballverein war die „Stegermatt“ nicht nur sportlicher Mittelpunkt, sondern auch Ausdruck des solidarischen Vereinslebens. Alle Platzarbeiten wurden in freiwilligen Arbeitsdiensten ausgeführt. Ein eindrucksvolles Zeugnis für den Einsatzwillen der Mitglieder. Mit Schaufel, Spaten und Sachverstand wurde das Gelände gepflegt, erweitert und modernisiert. Die sportlichen Erfolge der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führten zu Zuschauerrekorden, die dem Verein eine wirtschaftliche Stärkung ermöglichten. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Veranstaltungen flossen direkt in den Ausbau der Infrastruktur – getragen von einer Vereinsführung, die mit Weitblick und Tatkraft agierte. Die Ära unter Fridolin Stadler und Dr. Otto Eichin war geprägt von einem bemerkenswerten infrastrukturellen Aufschwung. Mit großzügigen Investitionen und einem klaren Blick für die Zukunft wurde die „Stegermatt“ zu einem der modernsten Sportplätze der Region ausgebaut.
Technische Innovationen und bauliche Verbesserungen: Die Tiefstrahleranlage ermöglichte erstmals ein effektives Wintertraining bei Dunkelheit. Die Stehtribüne wurde nicht nur erweitert, sondern auch komfortabler gestaltet, was die Zuschauererfahrung deutlich verbesserte. Die Laufbahn wurde stetig erneuert und das Spielfeld regelmäßig planiert, um optimale Spielbedingungen zu gewährleisten. Ein Beispiel für praktischen Gemeinschaftsgeist: Die alte Wasserleitung, die quer über das Spielfeld verlief, war nicht nur ein technisches Ärgernis, sondern auch ein Risiko für den Spielbetrieb. Die Lösung war ebenso pragmatisch wie beeindruckend. In freiwilliger Arbeit verlegten die Mitglieder eine neue Leitung rund um das Spielfeld, tief genug, um frostsicher zu sein. Diese Maßnahme zeigte, wie technisches Verständnis und Gemeinschaftsgeist Hand in Hand gingen.
Gleichschaltung im Sport – Der Einfluss der NS-Zeit auf den Sport: Die Machtergreifung der NSDAP am 30. Januar 1933 markierte einen tiefgreifenden Einschnitt in das gesamte gesellschaftliche Leben – auch im Sport. Mit der Ernennung von Hans von Tschammer und Osten zum Reichssportkommissar (später Reichssportführer) im Juli desselben Jahres begann die systematische Gleichschaltung des deutschen Vereinswesens. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 setzte eine umfassende Umstrukturierung des deutschen Vereinswesens ein. Zahlreiche Sportvereine sahen sich gezwungen, auf Grundlage staatlicher Dekrete und behördlicher Anordnungen ihre Eigenständigkeit aufzugeben. In vielen Fällen bedeutete dies eine Zwangsfusion mit anderen Vereinen oder die Änderung des Vereinsnamens.
Das übergeordnete Ziel der NSDAP bestand darin, die Vielzahl kleiner, lokal verwurzelter Vereine schrittweise in größere Einheiten zu überführen. So sollte pro Ort ein zentraler Großverein entstehen, der sich leichter kontrollieren und ideologisch ausrichten ließ. Diese Maßnahmen führten zu einem tiefgreifenden Wandel in der Vereinslandschaft und stellten für viele Traditionsvereine eine einschneidende Zäsur dar. Auch der Offenburger Fußballverein blieb von diesen Maßnahmen nicht unberührt. Die Vereinsführung sah sich mit neuen politischen Vorgaben konfrontiert, die nicht nur die organisatorische Struktur, sondern auch die sportliche Ausrichtung beeinflussten. Dennoch gelang es dem Verein, seine Identität zu bewahren und den Spielbetrieb unter den neuen Rahmenbedingungen fortzuführen.
Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung wurde am 09. September 1933 der aus dem Arbeitermilieu stammende SC Offenburg zwangsweise dem Offenburger Fußballverein angeschlossen. Doch die erhoffte sportliche Verstärkung blieb weitgehend aus: Nur ein kleiner Teil der Mannschaft schloss sich dem Verein an. Der Großteil der Spieler entschied sich stattdessen für einen Wechsel zur RSTG Jahn Offenburg – einem Verein, der stärker mit den neuen politischen Strukturen konform ging. Ein ähnliches Schicksal traf auch den Arbeiter-Turnverein von 1860 (DJK Offenburg), deren Mitglieder ebenfalls zur Aufgabe ihres Vereins gezwungen wurden. Diese Eingriffe in die Vereinslandschaft führten zu tiefgreifenden Veränderungen in der sportlichen Kultur der Stadt.
Fußball im Schatten des Krieges: Die Jahre 1940 bis 1944 waren geprägt von den Belastungen des Zweiten Weltkriegs, die auch vor dem Offenburger Fußballverein nicht Halt machten. Der Spielbetrieb konnte nur unter größten Einschränkungen aufrechterhalten werden. Die Auswirkungen des Krieges waren allgegenwärtig. Einberufungen dezimierten die Mannschaften, Materialknappheit erschwerte die Organisation, und die allgemeine Unsicherheit ließ viele geplante Begegnungen scheitern. Spiele mussten oft spontan organisiert, Mannschaften kurzfristig zusammengestellt und Spielorte flexibel gewählt werden. Der geregelte Trainingsbetrieb war kaum möglich, und selbst einfache Dinge wie Trikots, Bälle oder Fahrgelegenheiten wurden zur Herausforderung. Dennoch blieb der Fußball ein verbindendes Element – ein Stück Normalität in einer Zeit der Ungewissheit.
Der Vereinsgeist lebt weiter: Trotz aller Widrigkeiten gelang es dem Verein seinen Vereinsgeist zu bewahren. Mit Kreativität, Zusammenhalt und der unerschütterlichen Leidenschaft für das Spiel wurde der Fußball – wenn auch eingeschränkt – weitergetragen. Der Offenburger Fußballverein blieb aktiv, hielt Kontakt zu seinen Mitgliedern und sorgte dafür, daß der Ball zumindest gelegentlich noch rollte.
* Update: 25. August 25 – Copyright Sven Steppat
Wiederaufbau nach dem Krieg – Ein neues Kapitel für den Offenburger Fußballverein: Wenn organisatorische und sportliche Leistungen in der Geschichte des Offenburger Fußballverein besondere Anerkennung verdienen, dann ragt die Zeit des Wiederaufbaus nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg besonders hervor.
Die Jahre nach 1945 waren geprägt von Entbehrung, Unsicherheit und dem mühsamen Versuch, wieder Normalität herzustellen. Doch gerade in dieser schwierigen Phase zeigte sich die Kraft der Gemeinschaft und die Leidenschaft für den Fußball. Mit großem Engagement und unermüdlichem Einsatz gelang es den Verantwortlichen und Mitgliedern, den Verein neu zu strukturieren und den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Trotz zerstörter Infrastruktur, fehlender Mittel und personeller Verluste wurde die Platzanlage instand gesetzt, Trainingsmöglichkeiten geschaffen und neue Spieler integriert. Der Offenburger Fußballverein wurde erneut zu einem sportlichen und sozialen Mittelpunkt der Region – ein Symbol für Hoffnung und Zusammenhalt in einer Zeit des Neuanfangs.
Der Einmarsch der Franzosen – Offenburg im April 1945: Am 15. April 1945 zwischen 15:00 und 16:00 Uhr rückte das 9. Französische Kolonial-Infanterie-Regiment mit einer Flotte von vierzig Panzern ohne Widerstand in unsere Stadt ein, während sie gleichzeitig über die Okenstraße aus den Richtungen Griesheim und Appenweier ins Zentrum vordrangen. Damit übernahmen sie – mehr als drei Wochen vor der offiziellen Kapitulation Deutschlands – die militärische und administrative Kontrolle über die Stadt. Der Einmarsch der Franzosen rief bei vielen Bürgern Erinnerungen an das Jahr 1923 wach, als Offenburg bereits unter einer strengen französischen Besatzung gelitten hatte. Als sich die Nachricht verbreitete, „die Franzosen kommen“, suchten viele – insbesondere ältere Menschen, Frauen und Kinder – Schutz in den Kellern. Dort wurde gebetet, geweint und gehofft. Der Volkssturm hatte am Stadtbuckel einen Eisenbahnwaggon als Barrikade platziert, doch der eigentliche Plan war, die französischen Truppen bereits in Ortenberg aufzuhalten. Dieser Versuch blieb jedoch erfolglos und die Stadt wurde kampflos eingenommen.
Ausgangssperre und Kulturschock – Die ersten Tage der Besatzung: Unmittelbar nach dem Einmarsch der französischen Truppen am 15. April 1945 wurde eine strikte Ausgangssperre verhängt, die auch am folgenden Tag in Kraft blieb. Die neue militärische Ordnung brachte tiefgreifende Veränderungen für die Bevölkerung mit sich. Französische Offiziere beschlagnahmten Wohnungen und Häuser, deren Bewohner gezwungen wurden, diese umgehend zu verlassen – oft ohne die Möglichkeit, persönliche Gegenstände mitzunehmen. Das gesamte Eigentum ging in den Besitz der Besatzungsmacht über. Für viele Offenburger war dies ein traumatischer Einschnitt in ihr ohnehin erschüttertes Leben. Ein zusätzlicher Kulturschock ergab sich aus der Tatsache, daß die einmarschierenden Soldaten überwiegend aus Algerien und Tunesien stammten. Menschen mit anderer Hautfarbe waren in Offenburg kaum bekannt, und die Bevölkerung reagierte mit Unsicherheit und Angst. Die nationalsozialistische Propaganda hatte diese Soldaten zuvor als „Wilde“ diffamiert, was die Furcht in der Bevölkerung zusätzlich verstärkte.
Neuanfang im Sommer 1945 – Der Offenburger Fußballverein zwischen Trümmern und Hoffnung: Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Krieg auf deutschem Boden. Zurück blieb ein Land in Trümmern – und auch der Offenburger Fußballverein war schwer gezeichnet. Viele Sportkameraden waren gefallen, vermisst, in Gefangenschaft oder durch schwere Verwundungen dauerhaft außer Gefecht gesetzt. Hunger, Armut und Hoffnungslosigkeit prägten den Alltag. Wer dachte in solchen Zeiten schon an Sport? Und doch: Bereits im Sommer 1945 fanden sich einige Unentwegte auf der „Stegermatt“ ein – ehemalige Spieler, Freunde und Kameraden, die in der Begegnung miteinander Trost und Halt suchten. Die Sehnsucht nach Normalität und Gemeinschaft war stärker als die äußeren Umstände.
Der Wiederaufnahme des Sportbetriebs standen jedoch enorme Hindernisse im Weg. Sämtliche Sportausrüstungen waren verschwunden, der Platz durch Bombenabwürfe in den letzten Kriegstagen stark beschädigt und unbespielbar. Es war allein der privaten Initiative und dem unbeirrbaren Willen der Mitglieder zu verdanken, daß erste Schritte zur Wiederherstellung unternommen wurden. Und tatsächlich: Schon bald waren die ersten Hindernisse überwunden – ein stiller, aber bedeutender Neubeginn für den Offenburger Fußballverein.
Neue Grenzen – Fußball unter Besatzungszonen: Die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg brachte tiefgreifende Veränderungen – auch für den Fußball. Die neue Grenzziehung verlief mitten durch den ehemaligen Gau 14 Baden und trennte Nord- und Südbaden voneinander: Während die nordbadischen Vereine der amerikanischen Zone zugeordnet wurden, gehörten die südbadischen Vereine fortan zur französischen Besatzungszone. Diese politische Teilung hatte unmittelbare Auswirkungen auf den Spielbetrieb. Die nordbadischen Vereine konnten sich der neu gegründeten Oberliga Süd anschließen – einer überregionalen Liga, die unter amerikanischer Verwaltung entstand und den leistungsstärksten Vereinen Süddeutschlands offenstand. Die südbadischen Vereine hingegen – darunter auch der Offenburger Fußballverein – mussten sich in eigenen, von der französischen Militärregierung genehmigten Ligen organisieren. Der Zugang zu überregionalen Wettbewerben war zunächst versperrt, und die sportliche Entwicklung verlief unter erschwerten Bedingungen. Trotz dieser Einschränkungen gelang es dem Offenburger Fußballverein, sich neu zu positionieren und den Wiederaufbau des Vereinslebens mit großem Engagement voranzutreiben.
Wiederbeginn unter Aufsicht: Inzwischen hatte der Sportbetrieb in Offenburg wieder an Fahrt aufgenommen. Beim Offenburger Fußballverein formierte sich unter der provisorischen Leitung der Sportfreunde Anton Baur, Eugen Bruder, Josef Sator und Albert Huber eine engagierte Gruppe, die den Spielbetrieb neu organisierte und erste Strukturen schuf. Im Juli 1945 gab die französische Militärkommandantur die Platzanlage „Stegermatt“ – wenn auch über Umwege – wieder zur Nutzung frei. Dies war ein entscheidender Schritt für die Rückkehr zum aktiven Fußball. Schon bald kam es zu den ersten Wettkämpfen, meist gegen Auswahlmannschaften der örtlichen Besatzungstruppen. Die Ergebnisse waren ausgeglichen – mal siegte der Offenburger Fußballverein, mal die französischen Einheiten.
Am 03. November 1945 wandte sich Albert Huber mit einem offiziellen Schreiben an das Bürgermeisteramt der Stadt Offenburg. Darin bat er um die „Erteilung der Spielerlaubnis“ und erkundigte sich gleichzeitig, ob die Bezeichnung „Offenburger Fußballverein“ weiterhin verwendet werden dürfe und ob der Spielbetrieb im Rahmen eines Vereins wieder aufgenommen werden könne. Dieser Schritt markierte den Übergang vom improvisierten Wiederbeginn zum geregelten Vereinsleben – ein Meilenstein in der Nachkriegsgeschichte des Vereins.
Neugründung unter französischer Aufsicht: Trotz aller Mühen, trotz Fleiß und Aufopferung – die Wiederbelebung des Offenburger Fußballverein nach dem Krieg lag in den Händen weniger verbliebener Sportkameraden. Die alten Mitglieder Egon Kahles, Ludwig Fischer, Erich Wiedenhorn, Josef Sator und Karl Schreiber überwanden zahlreiche Schwierigkeiten, bis endlich der Weg zur offiziellen Neugründung des Vereins geebnet war. Diese fünf Unentwegten erhielten von der französischen Militärregierung die Genehmigung, den Offenburger Fußballverein gemäß den Richtlinien der Besatzungsbehörde neu zu gründen und den gesamten Spiel- und Sportbetrieb innerhalb der Stadt Offenburg verwaltungsmäßig zu übernehmen.
Der erfahrene Sportkamerad Egon Kahles – Gründungsmitglied des Fußballclub 1907 Offenburg – trat dabei besonders hervor. Über seine moralische und politische Haltung während der NS-Zeit war (noch) nichts Nachteiliges bekannt, was ihm die nötige Legitimität verlieh, als Initiator aufzutreten. Am 09. März 1946 um 19:30 Uhr, lud Kahles zur Gründungsversammlung in den Saal der „Neuen Pfalz“ ein. Ziel war die Wahl eines umfangreichen Direktionsausschusses, dessen Mitglieder die Leitung der einzelnen Sportabteilungen im neu gegründeten Offenburger Fußballverein übernehmen sollten.
Französische Vorgaben zur Vereinsgründung mit Einschränkungen: Die Gründerversammlung am 09. März 1946 war ein bedeutender Schritt – doch sie fand verfrüht statt. Denn am 21. März 1946 erhielt das Bürgermeisteramt Offenburg einen offiziellen Dienstvermerk von der französischen Militärkommandantur, unterzeichnet von Oberstleutnant Huchon. Dieses Schreiben regelte die Neugründung von Sportvereinen in der französischen Besatzungszone und enthielt klare Vorgaben für Offenburg:
1. Es wird nur ein einziger Verein mit allgemeinsportlichem Charakter für die Stadt Offenburg genehmigt.
2. Dieser Verein soll alle sportlichen Richtungen vertreten, die seit 1933 bestanden hatten – insbesondere auch die ehemaligen Arbeiter-Sportvereine wie den Arbeiter-Turnverein Offenburg. Ebenso sollen die Anhänger einbezogen werden, die dem Offenburger Fußballverein aktuell die Teilnahme an Meisterschaftsspielen ermöglicht haben.
3. Der neue Verein darf nicht den Namen „Offenburger Fußballverein“ tragen, da dieser als Bezeichnung eines „nazistischen Sportvereins“ gewertet wird.Ein neuer Name, ein neuer Anfang: Im Zuge der Vorgaben der französischen Militärbehörde nach dem Zweiten Weltkrieg waren alle Vereine dazu angehalten, ihre traditionellen Namen abzulegen. Diese Maßnahme bedeutete für viele Organisationen einen tiefen Einschnitt in ihre gewachsene Identität und Vereinsgeschichte. Im April 1946 kamen auf Einladung des Offenburger Fußballverein mehrere Vertreter bedeutender Offenburger Sportvereine zusammen, um die Gründung eines neuen Vereins vorzubereiten. Anwesend waren Bürgermeister Gustav Weghaupt, Ratsschreiber Hermann Isenmann, Egon Kahles und Erich Wiedenhorn (Offenburger Fußballverein), Franz Schweizer (Arbeiter-Turnverein von 1860), Albert Brüstle (Arbeiter-Sportkartell), Alfred Schoch (Reichsbahn-Sportgemeinschaft) sowie Rudolf Moßbrugger, der von der französischen Besatzungsmacht als kommissarischer Oberbürgermeister eingesetzt worden war (Amtszeit 1947–1948).
In konstruktiver Atmosphäre wurde der Entwurf einer gemeinsamen Satzung erarbeitet. Einstimmig folgte man dem Vorschlag des Offenburger Fußballverein, den neuen Verein künftig „Offenburger Sportvereinigung“ zu nennen. Damit wurde nicht nur den behördlichen Anforderungen entsprochen, sondern auch ein Zeichen für Zusammenhalt und sportliche Zukunft gesetzt. Die Umsetzung der Richtlinien der französischen Militärregierung bedeutete jedoch auch das Ende vieler liebgewonnener Traditionen – ein schmerzlicher, aber notwendiger Schritt auf dem Weg in eine neue Ära des Vereinslebens.
Vorgaben der Alliierten – Die rechtlichen Grundlagen der Vereinsneugründung: Die Auflösung der bestehenden Vereine beruhte auf der Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrats vom 17. Dezember 1945 mit dem Titel „Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens in Deutschland“. Darin heißt es unter Punkt 1 unmissverständlich: „Allen vor der Kapitulation in Deutschland bestehenden sportlichen, militärischen oder paramilitärischen athletischen Organisationen (Klubs, Vereinigungen, Anstalten und andere Organisationen) wird jede Betätigung untersagt und sie sind bis zum 01. Januar 1946 spätestens aufzulösen.“ Diese Maßnahme zielte auf eine grundlegende Neuordnung des deutschen Vereinswesens ab und bedeutete das Ende zahlreicher traditionsreicher Strukturen. Auch für Offenburg hatte dies weitreichende Konsequenzen: Laut Verordnung vom 4. Februar 1946 für das Vereinssportwesen in der französischen Besatzungszone durfte in Städten mit weniger als 30.000 Einwohnern fortan nur ein einziger Sportverein existieren, der sämtliche Sportarten unter seinem Dach vereinte.
Die Gründung eines neuen Vereins unterlag strengen Regularien. Maßgeblich waren dabei die Verordnung Nr. 30/33 – „Anweisung betreffend das Stellen von Anträgen auf Genehmigung zur Gründung eines Sportvereins“ sowie die Anordnung Nr. 40 der Alliierten Kommandantur Berlin (BK/O (47) 66), die das Zulassungsverfahren für nichtpolitische Organisationen regelte. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen bildeten die Grundlage für die Entstehung der Offenburger Sportvereinigung – ein Zusammenschluss, der nicht nur den behördlichen Anforderungen gerecht wurde, sondern auch den Willen zur Einheit und zum Neuanfang im Offenburger Sportleben dokumentierte.
Gründung unter Aufsicht – Der Beginn einer neuen Ära: Am 01. Juni 1946 wurde im Concordia-Saal der Wagner-Brauerei in der Offenburger Lange Straße der neue Einheitssportverein „Offenburger Sportvereinigung“ offiziell ins Leben gerufen. Die Gründungsversammlung markierte einen historischen Wendepunkt. Aus der Vielfalt einzelner Vereine entstand eine gemeinsame sportliche Heimat für die Stadt. Nach sorgfältiger Prüfung der eingereichten Unterlagen durch das Gouvernement Militaire du Pays de Bade, Abteilung Sport und Jugend, wurde die „Offenburger Sportvereinigung“ als rechtmäßiger und eingetragener Verein anerkannt. Damit war der Weg frei für einen Neuanfang unter den strengen Vorgaben der französischen Besatzungsmacht.
Mit der Gründung verschwanden traditionsreiche Vereinsnamen wie der Offenburger Fußballverein, der Arbeiter-Turnverein von 1860 oder die Reichsbahn-Sportgemeinschaft – Namen, die einst das sportliche Leben der Stadt geprägt hatten. Ihr Verschwinden geschah nicht im Schatten, sondern mit dem Respekt und der Würde, die ihrer Geschichte gebührte. Sie wurden Teil der Vergangenheit, um Platz für eine neue, gemeinsame Zukunft zu schaffen. Doch auch die junge Offenburger Sportvereinigung blieb nicht frei von politischen Einflüssen. Die französische Militärbehörde forderte später den Rücktritt von Egon Kahles, einem der Gründungsakteure. Hintergrund war seine frühere Tätigkeit in der Soldaten-Kameradschaft des ehemaligen Badischen Infanterie-Regiments 170 sowie ein von ihm unterzeichneter Artikel aus dem Jahr 1940. Diese Entscheidung verdeutlicht, wie stark das Vereinsleben jener Zeit unter dem Einfluss der politischen Säuberung und der alliierten Kontrollmechanismen stand.
Sportlicher Neubeginn – Die Rückkehr auf den Platz: Noch bevor die Verordnung Nr. 30/33 vom 04. Februar 1946 offiziell in Kraft trat, formierte sich in Südbaden eine neue Oberklasse, die in zwei Gruppen unterteilt war. Diese Liga setzte sich überwiegend aus südbadischen Vereinen zusammen, reichte jedoch vereinzelt bis in den württembergischen Raum hinein. Der noch bestehende Offenburger Fußballverein wurde der Badischen Oberklasse West zugeteilt – ein Zeichen dafür, daß der Verein trotz struktureller Umbrüche sportlich weiterhin eine bedeutende Rolle spielte. Am 19. März 1946 (nach anderen Quellen bereits am 27. Januar 1946) wurde der Punktspielbetrieb wieder aufgenommen. Die Bedingungen waren alles andere als ideal: Mangel an Ausrüstung, eingeschränkte Mobilität und die allgemeine Nachkriegslage stellten Spieler und Organisatoren vor große Herausforderungen. Dennoch gelang es, die erste Punkterunde durchzuführen – ein bemerkenswertes Zeichen für den ungebrochenen Willen zur sportlichen Normalität.
Mit dem Wiederbeginn der Spiele erwachte auch das Interesse der Bevölkerung. Sonntag für Sonntag strömten mehr Zuschauer auf die „Stegermatt“ und nicht wenige äußerten, daß ihnen die eineinhalb Stunden Fußball wie eine Rückkehr zur inneren Balance erschienen. Der Sport wurde zum Ventil, zur Hoffnung und zum Ort der Begegnung in einer Zeit des Umbruchs. Am Ende der Spielrunde belegte der Offenburger Fußballverein (Offenburger Sportvereinigung) noch unter seinem alten Namen einen respektablen fünften (nach manchen Quellen vierten) Tabellenplatz – ein beachtliches Ergebnis unter den gegebenen Umständen und ein ermutigender Auftakt für die Zukunft des Vereins im neuen sportlichen Gefüge.
Die Zonenliga entsteht – Strukturierter Wettbewerb im Nachkriegsdeutschland: Getragen von einer Welle der Begeisterung und dem Wunsch nach sportlicher Ordnung wurde in der Folgezeit durch den Landessportbeauftragten Walter Dinger die Einteilung der Vereine in neue Spielklassen vorangetrieben. Ihm zur Seite stand Egon Kahles, der als Rechner und Schriftführer maßgeblich an der organisatorischen Umsetzung beteiligt war. Gemeinsam legten sie den Grundstein für eine neue Ära des Fußballs in Südbaden. Im Dezember 1946 trat die Zonensportkonferenz in Freiburg zusammen und beschloss die Einführung einer überregionalen Spitzenklasse – der sogenannten Zonenliga. Diese Liga sollte sich aus zwei Gruppen, Nord und Süd, zusammensetzen und die besten Mannschaften der Landesverbände Südbaden sowie Württemberg/Hohenzollern vereinen.
Bemerkenswert war, daß die erste reguläre Meisterschaft nach Kriegsende in der Badischen Oberklasse West nicht zur Qualifikation für die Zonenliga herangezogen wurde. Stattdessen wurde eine separate Pokalrunde ins Leben gerufen – der „Pokal von Baden“. Dieser Wettbewerb bot den Vereinen die Möglichkeit, sich sportlich zu beweisen und einen Platz in der neu geschaffenen Zonenliga zu erkämpfen. Die Einführung der Zonenliga markierte einen weiteren Schritt hin zur Normalisierung und Professionalisierung des südbadischen Fußballs. Für die Offenburger Sportvereinigung bedeutete sie nicht nur eine neue sportliche Herausforderung, sondern auch die Chance, sich auf regionaler Ebene zu behaupten und die eigene Position im sich wandelnden Vereinsgefüge zu festigen.
Zwischen Hoffnung und Rückschlägen – Die ersten Jahre im Wettbewerb: Nach seiner Rückkehr aus der französischen Kriegsgefangenschaft im Jahr 1947 stellte Fritz Kläger seine umfassende Erfahrung erneut in den Dienst der Offenburger Sportvereinigung. Als Trainer prägte er maßgeblich die sportliche Entwicklung des jungen Vereins und wurde zur zentralen Figur in einer Phase des Aufbruchs und der Neuorientierung. Der erste Spieltag in der neu strukturierten Zonenliga fand am 12. Januar 1947 statt – bedingt durch die vorangegangene Pokalrunde. Gegner war der SSV Reutlingen und das Spiel endete mit einem leistungsgerechten 1:1-Unentschieden. Die Saison nahm Fahrt auf, doch im letzten und entscheidenden Heimspiel gegen den VfL Freiburg (heute SC Freiburg) kam es zu einem unerwarteten Ausrutscher, der die direkte Qualifikation zur Endrunde der Deutschen Fußballmeisterschaft zunichtemachte.
Trotzdem bot sich mit dem zweiten Tabellenplatz am Ende der Punkterunde eine einmalige Chance: In zwei Qualifikationsspielen gegen den Zweitplatzierten der Zonenliga Nord konnte die Offenburger Sportvereinigung noch das Ticket zur Meisterschaftsendrunde lösen. Doch die Begegnungen mit dem TuS Neuendorf aus Koblenz endeten enttäuschend. Mit klaren Niederlagen von 1:5 und 0:2 war der Traum vom großen Wurf vorerst geplatzt. Dennoch blieb der Verein weiter aktiv und ambitioniert. Am 11. Juli 1948 erreichte die Offenburger Sportvereinigung das Endspiel um den südbadischen Pokal. Gegen Eintracht Singen musste man sich zwar mit 2:6 geschlagen geben, doch allein die Teilnahme am Finale unterstrich die sportliche Relevanz und das Potenzial des Vereins in der Region.
Krisenjahre und ein Hoffnungsträger – Der schwierige Weg durch die Zonenliga: Die Saison 1948/49 stellte die Offenburger Sportvereinigung vor große Herausforderungen. Die Mannschaft präsentierte sich in desolater Verfassung und sportlich drohte der Abstieg aus der Zonenliga. Lediglich die Aufstockung der Zonenliga von zwölf auf sechzehn Vereine bewahrte den Verein vor dem sportlichen Absturz. Als Tabellenletzter gelang der Klassenerhalt einzig durch diese strukturelle Maßnahme.
Auch das folgende Spieljahr 1949/50 war geprägt von Unruhe und Bewegung – sowohl auf dem Platz als auch in der Vereinsführung. Doch mitten in dieser Phase gelang dem Verein ein spektakulärer Coup: Am 01. Juli 1949 trat der ehemalige deutsche Nationalspieler Ernst Willimowski der Offenburger Sportvereinigung bei. Der gebürtige Schlesier galt als einer der herausragenden Stürmer seiner Zeit und hatte bereits vor dem Krieg internationale Anerkennung erlangt.Allerdings war Ernst Willimowski zunächst nicht spielberechtigt. Aufgrund verschiedener Vorkommnisse während der NS-Zeit war er vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf Lebenszeit vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Die Vereinsleitung setzte jedoch alle Hebel in Bewegung, um eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken – mit Erfolg. Am 04. Dezember 1949 feierte Willimowski schließlich seinen Einstand im Trikot der Offenburger Sportvereinigung beim Spiel gegen die SG Friedrichshafen (VfB). Mit einem glänzenden Auftritt ließ er seine Klasse aufblitzen und wurde schnell zum Hoffnungsträger in sportlich schwierigen Zeiten.
Tragödie und Wiederaufbau: Gegen 21:00 Uhr geriet die im Jahr 1922 errichtete und später erweiterte Holztribüne in Brand und wurde bis auf die Grundmauern vollständig zerstört. Die Ursache des Feuers konnte trotz intensiver Nachforschungen nie abschließend geklärt werden. Mit dem Verlust der Tribüne gingen auch zahlreiche wertvolle Dokumente und historische Aufzeichnungen unwiederbringlich verloren, die dort gelagert waren und ein bedeutendes Zeugnis früherer Vereinsjahre darstellten. Trotz dieses herben Rückschlags bewies der Verein bemerkenswerte Tatkraft: Bereits am 08. Oktober 1950 konnte die neu errichtete Zuschauertribüne feierlich eingeweiht werden. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 45.875 Mark.
* Update: 25. August 25 – Copyright Sven Steppat